Yoko Tsuno Band 1: Unterirdische Begegnung

Autor: Roger Leloup
Zeichner: Roger Leloup
Erscheinungsjahr: 1979
Ausgabe: Carlsen Verlag, 4. Ausgabe 1988, übersetzt von Gisela Prüfer
Originalausgabe: Le Trio de L’Etrange

Zusammenfassung: Die beiden TV-Spezialisten Vic Video und Knut Knolle treffen eines Nachts auf die Elektronikerin Yoko Tsuno. Von der sie erst glauben, dass sie einen Einbruch verübt. Gemeinsam beschließen sie, ein eigenes Filmteam zu gründen und eine Dokumentation über einen Fluss zu drehen. Beim Dreh stolpern die Drei über eine außerirdische Zivilisation, die ohne Kenntnis der Menschheit unseren Planeten teilt. Und relativ schnell werden alle in die interne Politik der blauhäutigen und technisch hochentwickelten Vineaner verwickelt.

Erster Auftritt Yoko Tsuno

Kommentar: Die Reihe Yoko Tsuno hielt ich bereits in den Händen, bevor ich lesen konnte und war fasziniert von den Zeichnungen, den Raumschiffen und besonders, dass so viele coole Mädchen drin vorkamen. Yoko Tsuno ist keine Emanze. Sie ist einfach eine intelligente, sportliche Frau, die Abenteuer im Weltraum und auf der Erde erlebt. Keine Wonder Woman, sondern jemand, den man beim Arbeiten, im Café oder an der Uni treffen könnte. Das ist der Grund, warum mich Yoko Tsuno bis heute begeistert. In einer Zeit, in der es Usus geworden ist, einfach aus männlichen Helden Frauen zu machen, anstatt sich Gedanken über neue Heldinnen zu machen ist Yoko Tsuno für mich Sinnbild eines Vorbilds für Mädchen und Frauen. Gerade, weil sie keine Superheldin ist und auch ihre Schwächen hat. Und ja, sie ist weiblich und sie sieht gut aus, aber sie ist keine Überfrau. Bemerkenswert, dass sie von einem Mann geschaffen wurde, wohl auch gegen den Rat anderer Comiczeichner, wie Hergé, die meinten, eine weibliche Comic-Heldin würde nie erfolgreich sein.

Inspiriert wurde Yoko Tsuno von der japanischen Schauspielerin Yoko Tani. Wer mehr über die Hintergründe des Charakters lesen will, findet ein wenig in diesem Interview mit Roger Leloup. Leider ist trotz der Poularität nicht soviel Hintergrundmaterial über Yoko Tsuno zu finden, wie über andere Comics.

Der erste Band ist für mich einer der Besten bis heute. Der Zeichenstil, der für mich in den Bänden 8 bis 10 seinen Höhepunkt hat, ist bereits sehr detailliert, nicht sexualisiert und lässt den Leser in die unterirdische Welt der Vineaner abtauchen. Die Hintergrundgeschichte ist durchdacht und die technischen Prinzipien zwar nicht realistisch, aber zumindest glaubwürdig. Die Vineaner in den Tiefschlafkapseln haben mich damals wie heute ebenso beeindruckt wie die Tatsache, dass Zwillingsschwestern natürlich nicht mehr gleich alt sind, wenn sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten geweckt werden. Mit solchen cleveren Details macht Roger Leloup die Welt von Yoko Tsuno lebendig, sowohl erzählerisch wie durch seine Zeichnungen. Die Schiffe und Geräte folgen alle Prinzipien der Dynamik und laden zum nachzeichnen ein.

Yoko Tsuno trifft Khany

Hier werden viele Grundlagen für die Weltraumerzählungen bei Yoko Tsuno gelegt. Ihre Freundschaft mit der Vineanerin Khany, das Rätsel, was aus ihrem Heimatplaneten wurde und natürlich der technologische Hintergrund, insbesondere, die Tiefschlaf-Technologie oder Gedankenkontrolle, die uns immer wieder begegnen werden. Die Tatsache, dass die Vineaner unerkannt unter der Erdoberfläche leben, lässt an Science-Fiction Klassiker wie Jules Vernes „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ denken.

Zwei Dinge gab es allerdings, die mich schon als Kind gestört haben: Vic Video fragt beim ersten Zusammentreffen, von welchem Kontinent die Vineaner kommen. Nicht nur Yoko wirft da ein „Frag dich direkt, von welchem Planeten.“ Niemand kann mir erzählen, dass Franzosen Ende der 70er glaubten, Australier wären blauhäutig. Außerdem müssen die drei Europäer die unterirdische Welt verlassen, weil hier Gase entstehen, die für Menschen auf Dauer tödlich sind… Hätte man das nicht an der Oberfläche bereits bemerkt? Hier hätte man bestimmt eine plausiblere Erklärung finden können.

Fazit: Yoko Tsuno ist bestimmt nicht der anspruchvollste Science-Fiction-Comic. Dennoch macht er einfach viel Spaß und trägt Botschaften in sich, die einfach für jedes Alter wichtig sind: Nämlich dass Freundschaft und Hilfe unabhängig von der Hautfarbe sind. Sei sie jetzt rosa oder gelb oder blau.

Techtalk: 2/5
Alienlevel: 3/5
Kitschniveau: 1/5
Zukunftsnähe: 1/5
Denkdichte: 2/5