Ein Mann in einer fremden Welt / Stranger in a strange Land

Autor: Robert A. Heinlein
Erscheinungsjahr: 1961
Ausgabe: Heyne Science-Fiction 1970

Zusammenfassung: Valentine Michael Smith ist ein Mensch, aufgewachsen unter Marsianern. Als ein Forschungsraumschiff ihn entdeckt und auf die Erde bringt, ist es hauptsächlich dem Einsatz der Krankenschwester Gillian Boardman zu verdanken, dass er nicht sofort in die Machenschaften der Politik gerät. Durch neue Freunde und seine eigenen, erstaunlichen Fähigkeiten entwickelt Michael sich zu mehr, als einem Marsianer auf Erden.

Kommentar: Wenn man Robert A. Heinlein hört, denkt man zunächst an Starship Troopers, allein schon wegen des Filmes. Da das Werk bei Militaristen beliebt ist, tendierten viele Leser dazu, Heinlein ebensolche Züge zu unterstellen. Wer „Ein Mann in einer fremden Welt“ liest, kann diese Meinung nicht teilen. Dieses Buch zeigt, dass ein Autor nicht der Meinung, dessen, was er schreibt sein muss, denn die Inhalte beider Werke gehen gravierend auseinander. Tatsächlich ist „Ein Mann in einer fremden Welt“ zwar ein Science-Fiction Roman, aber hier geht es mehr um Fremdartigkeit und einen neuen Blick auf die Menschheit zu werfen, als um Raumschiffe.

Die Figuren sind Kinder ihrer Zeit, aber in dieser Hinsicht recht fortschrittlich. Gillian Boardman ist Krankenschwester und hat sehr weiblich-naive Züge, ist aber dennoch ein Motor der Geschichte. Auch wenn sie erst zu handeln beginnt, als ihr Freund, der Reporter Ben Caxton verschwunden ist, der den Marsmensch schützen wollte. Dennoch sind die meisten Figuren erfrischend klischeefrei, von den üblichen Einschlägen der 60er mal abgesehen. Egal ob es sich um den Hobby-Anarchisten mit Großvermögen und Schriftstellerkarriere, seine drei emanziperten Sekretärinnen oder eine volltätowierte Schlangenfrau handelt. Natürlich ist der Captain des Raumschiffes, das den Marsmensch entdeckt ein Mann, der seine Frau zuhause lässt und am Kopf der herrschenden Kirche steht ein Mann. Dennoch spielen Frauen eine wichtige Rolle innerhalb der Storyline.

Generell könnte man fast denken, der Roman spielt in der heutigen Zeit. Wenn es nicht Lufttaxis und einige andere technische Errungenschaften gäbe, die aber nicht wirklich weit weg wirken. Der Hauptunterschied zu unserer Welt liegt tatsächlich eher in gesellschaftlichen Zügen. Eine Religion namens Fosterismus ist eine der wichtigsten Religionen geworden. Grund dafür dürften der zelebrierte Alkoholkonsum, Orgien und Spielautomaten in der Kirche sein. Persönlich fand ich die Idee einer Gruppe Menschen, die „Faire Zeugen“ sind, am interessantesten. Diese Menschen sprechen immer, sobald sie im Dienst sind, die Wahrheit, so wie sie sie erlebt haben.

Und in diese Welt kommt Michael mit ganz eigenen, marsianisch geprägten Vorstellungen und wandelt sich vom naiven Jungen zur Erlöserfigur. Der den Menschen hilft, über kleinliche Egoismen und Eigenheiten hinwegzusehen und sich den wichtigen Dingen zu öffnen, der Liebe in all ihren Facetten. In vielerlei Hinsicht erscheint der Roman daher als Loblied auf die Polygamie, weswegen er besonders in der Hippie-Bewegung populär war. Umso erschreckender war für mich der folgende Satz:

„Jill vermutete, dass Mike etwas „Falsches“ an den armen Wesen,die sich für keine der beiden Seiten entscheiden konnten, groken würde – er würde ihnen nie Wasser anbieten.“

Denn freie Liebe im Sinn von Robert A. Heinlein scheint Sexualität abseits von hetero auszuschließen. Einerseits schade, andererseits auch der Erscheinungszeit geschuldet. Und auch kein Grund, den Roman direkt zu verurteilen, denn er hat viele gute Ansätze, ist unterhaltsam geschrieben und nicht ohne Grund einer der meistverkauftesten Science-Fiction Romane. Die später gegründete Religion des Buches inspirierte sogar eine Sekte, die es noch heute gibt. Dafür, dass Heinlein „Ein Mann in einer fremden Welt“ angeblich in zwei Monaten schrieb, ein überaus bemerkenswertes Buch, mit dem es sich auseinanderzusetzen lohnt.

Fazit: Nicht so tiefgründig wie andere Science-Fiction-Romane, besticht „Ein Mann in einer fremden Welt“ als Utopie durch schillernde Charaktere und eine besondere Perspektive auf das Treiben der Menschheit.

Techtalk: 1/5
Alienlevel: 3/5
Kitschniveau: 2/5
Zukunftsnähe: 1/5
Denkdichte: 3/5