Babylon 5

Schöpfer: J. Michael Straczynski
Musik: Christopher Franke
Erscheinungsjahr: 1994 bis 1998

Zusammenfassung: Babylon 5 ist die Geschichte der letzten großen Weltraumstation, die nach einem interstellaren Krieg gebaut wurde, um den Frieden zwischen den verschiedenen Völkern der Galaxis zu wahren. Über fünf Staffeln wird die Geschichte der Besatzung und der dort lebenden Botschafter erzählt, die sich im Laufe der fünf Jahre ebenso weiter entwickeln wie die Geschehnisse in ihrer Umgebung.

Kommentar: Über Babylon 5 bin ich im Nachmittagsprogramm gestolpert, als die Serie bereits lief. Ein sehr glücklicher Zufall, denn die erste Staffel war noch nicht so weit voran geschritten, dass man nicht mehr folgen konnte und gleichzeitig war die Folge spannend genug, dass ich dabei geblieben bin. Und so sehr ich andere Science-Fiction-Serien und Filme liebe: Babylon 5 wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen.

Das liegt zum einen an dem fünf Staffeln überspannenden Handlungsbogen, ein Konzept, das für mich und die Fernsehlandschaft in den 90ern ziemlich neu war. Zum anderen liegt es an den authentischen Charakteren, menschlich und außerirdisch, die mit allen ihren guten und schlechten Eigenschaften sowie den kleinen und großen Dramen, direkt aus dem Leben gegriffen scheinen. Für mich als Teenager waren diese fiktionalen Figuren Vorbilder und sind es zum Teil bis heute geblieben. Es sind keine Abziehbilder von Klischees, sondern Persönlichkeiten, deren Handeln und Motivation immer nachvollziehbar bleibt. Leider werden aktuell nur noch wenige Charaktere auf diesem Niveau geschrieben.

Generell empfehle ich Babylon 5 jedem, ob Science-Fiction- oder Serien-Fan. Allerdings muss ich zugeben, dass sie wahrscheinlich nicht für jeden etwas ist. Vielleicht könnte man es am ehesten mit einem Game of Thrones der 90er vergleichen, mit mehr Tiefgang und weniger nackter Haut und Gewalt. Man muss dranbleiben und einer Erzählung mit vielen unterschiedlichen Charakteren folgen wollen. Wer lieber eine „Monster der Woche“-Serie hat, der ist hier falsch. In der Handlung werden ab der ersten Folge Hinweise auf Ereignisse in späteren Staffeln gelegt und auch mir fallen bei jedem Sehen wieder neue Details auf. Dazu kommt: Die Serie ist gut gealtert, aber die CGI-Effekte, die damals bahnbrechend waren, wirken heute teilweise stümperhaft. Wer das nicht ignorieren kann, wird es teilweise schwer haben.

Man sollte auch im Hinterkopf haben, dass die Serie vom grandiosen Schöpfer J. Michael Straczynski nicht nur mit einem relativ geringen Budget von pro Folge auskommen musste, sondern auch nach jeder Staffel um ihr Weiterleben bangen musste. Das ist insbesondere der 5. Staffel anzumerken, denn die Haupthandlung ist mit Ende der 4. Staffel notgedrungen abgeschlossen worden und so wirkt die letzte Staffel ein bisschen wie ein Anhängsel. Andere Versuche, der Serie erneutes Leben einzuflößen, wie die Nachfolgeserie Crusade und einige TV-Filme, scheiterten. Und vielleicht ist es auch gar nicht so schlecht, dass Babylon 5 in wenigen Staffeln abgeschlossen wurde.

„Nur die deren Leben begrenzt ist, beharren in dem Glauben, dass die Liebe ewig währt. Du solltest dankbar sein, für diese bemerkenswerte Illusion. Sie ist möglicherweise das größte Geschenk, das den Menschen jemals zuteil wurde“

Lorien in Babylon 5, Episode 4.05 „Tyrannenmord“

Auch wenn die Staffeln übergreifend sind, hat jede von ihnen einen Titel, der ein bisschen was von dem Schwerpunkt der Handlung verrät:
Staffel 1: Zeichen und Wunder („Signs and Portents“)
Staffel 2: Schatten am Horizont („The Coming of Shadows“)
Staffel 3: Kriegsrecht („The Point of no Return“)
Staffel 4: Die Befreiuung von Proxima 3 („No surrender, no retreat“)
Staffel 5: Augen aus Feuer („Wheel of Fire“)

Wer sich jetzt vielleicht gerade bei der 4. Staffel über die Titelwahl bzw. über die Übersetzung des Originaltitels wundert, der ist damit nicht allein. Auf der BabCon 25, dem Event zum 25jährigen Geburtstag von Babylon 5 in Deutschland, konnten hier der Synchronregisseur von Babylon 5, Michael Erdmann sowie der Redakteur und Autor Torsten Dewi Licht ins Dunkle bringen. Zu empfehlen ist hier auch der BabCon 25 Beitrag auf Torsten Dewis Blog.

Fazit: Eine Space Opera von epischen Ausmaßen mit rundum gelungenen Charakteren, die sich immer wieder zwischen Drama und Komödie sowie Dystopie und Utopie bewegen. Wer mehr zu den einzelnen Folgen wissen möchte, sollte ein Ohr beim Grauen Rat, DEM deutschsprachigen B5-Podcast, riskieren.

Techtalk: 1/5
Alienlevel: 5/5
Kitschniveau: 3/5
Zukunftsnähe: 3/5
Denkdichte: 3/5